Hanna Launikovich
Hanna Launikovich ist eine Performance- und Klangkünstlerin belarussischer Herkunft. Sie lebt in Frankfurt am Main und hat einen Master-Abschluss in Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Seit 2018 beschäftigt sich Hanna Launikovich mit interdisziplinären dokumentarischen Praktiken. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Klang, Performance und dem nicht Einzuordnenden. Sie nimmt Themen wie Trauma, Nostalgie und Isolation in den Fokus und erkundet diese mithilfe immersiver Klangumgebungen, Feldaufnahmen, vokaler Improvisationen, Lo-fi-Texturen und Performance-Partituren. Für sie ist Sound nicht bloß etwas Begleitendes: An der Schnittstelle zwischen Komposition und Improvisation sowie zwischen Archiv und Unmittelbarkeit kristallisieren sich in Hanna Launikovichs Praxis die Kernfragen ihrer Arbeit heraus – wie Sound Erinnerung performt und wie Erinnerung durch Sound performt wird. Seit 2023 komponiert Hanna für Theaterproduktionen und performt in ihnen, sie integriert Sound in ihre eigenen Performances und multidisziplinären Kunstprojekte. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland, Italien, Dänemark, der Schweiz, Polen und Estland präsentiert.
Rechercheprojekt:
Das Rechercheprojekt „she-zoo/schizo/ШЫЗА“ befasst sich mit einer der am wenigsten beachteten aktuellen Menschenrechtskrisen in Europa: der systematischen Inhaftierung und Folter weiblicher politischer Dissidentinnen in Belarus. Seit dem Versuch einer Revolution 2020–2021 werden Menschen weiterhin festgenommen und wegen Beiträgen und Likes in sozialen Medien als Extremisten abgestempelt. Ihre Aussagen existieren zwar – in Menschenrechtsberichten sowie in belarussisch- und russischsprachigen Medien –, bleiben jedoch im europäischen öffentlichen Diskurs fast vollständig unsichtbar. Die Erinnerung verblasst, während die Realität fortbesteht.
Anhand der Zeugnisse weiblicher politischer Gefangener wird Hanna Launikovich untersuchen, wie sich politische Gewalt im Körper einprägt – nicht nur in den Körpern der Inhaftierten, sondern auch in den Körpern derer, die geflohen sind, die geschwiegen haben, die die Berichte aus europäischen Städten lesen und spüren, wie der Boden unter ihnen wankt. Im Mittelpunkt der Recherche steht die Umsetzung dieser Überschneidung in choreografische und klangliche Sprache – die Entwicklung von Klang, die Auseinandersetzung mit räumlichen Einschränkungen als performativer Rahmen sowie die Arbeit an einer „Work-in-Progress“-Vorstellung, die diese erschütternde Realität auf die Bühne bringt.
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