Manifesto transprofágico
Renata Carvalho
Tanzfestival RM
Der Körper als Schauplatz: In „Manifesto transprofágico“ steht die brasilianische Aktivistin und Performerin Renata Carvalho nackt vor dem Publikum – nackt, das bedeutet für Carvalho travesti*. Mit einer Mischung aus autobiografischer Erzählung und politischem Manifest berichtet sie von einem Leben unter ständiger Beobachtung. „Mein Körper ist mir immer voraus“, sagt sie und setzt ihn bewusst den Blicken des Publikums aus; sie lädt dazu ein, ihn unvoreingenommen zu betrachten.
Dabei spricht sie auch über dessen bewusste, stufenhafte Verwandlung – durch Hormone, Industriesilikon, Brustimplantate: „Auf gewisse Weise wurde ich mit mir selbst schwanger. Ich habe mich selbst geboren.“ Carvalhos Arbeit öffnet den Blick bewusst für die Performativität, die Veränderbarkeit und die fluide Identität von Körpern und stellt sich selbst in einen größeren Zusammenhang von „Transpophagie“ – einem Prozess des Aneignens und Verwandelns der eigenen wie der kollektiven trans* Vorfahr*innenschaft – der „transcestralidade*“.
Bestrafung, Masseninhaftierung, Zensur, Pathologisierung, AIDS, Diaspora sowie strukturelle Gewalt gegen und Ermordung von trans* und travesti-Körpern bilden den historischen und politischen Hintergrund von Carvalhos Manifest. Carvalho sagt: „Ich habe mich nicht als travesti entdeckt – sie haben es mir entgegengeschrien.“
* Travesti bezeichnet im brasilianischen Kontext eine eigenständige trans* Identität und wird daher bewusst nicht übersetzt.
* Auch der Begriff transcestralidade ist mehr als eine poetische Metapher. Er beschreibt die Vorstellung einer trans* Genealogie – einer Verbindung zu den Geschichten, Kämpfen und Wissensformen früherer travestis und trans* Personen, die in offiziellen Geschichtsschreibungen häufig unsichtbar geblieben sind.
Credits
Dramaturgie & Performance: Renata Carvalho
Regie: Luiz Fernando Marques (Lubi)
Lichtdesign: Wagner Antônio
Video: Cecília Lucchesi
Lichttechnik: Juliana Augusta
Produktion: Corpo Rastreado
Koproduktion: Risco Festival, MITsp e Corpo Rastreado.
Diffusion: Corpo a Fora e FarOFFa
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