Krieg & Bilder
Vier szenische Auseinandersetzungen
von Studierenden der HfMDK
Sie können im Vorfeld ein Ticket für die zwei Stücke des Abends für 1 Euro reservieren (wird empfohlen). Dieses Ticket gilt für beide Vorstellungen des angegebenen Datums. Bitte tauschen Sie Ihr Online-Ticket vor Ort gegen eine Einlasskarte ein.
Im Exil sammelten Bertolt Brecht und Ruth Berlau Fotos und Texte zum Zweiten Weltkrieg aus Zeitungen und montierten sie mit vierzeiligen Epigrammen. Es entsteht ein Buch, das das Lesen von Kriegsbildern und ihren ideologischen Einschreibungen lehren soll und 1955 unter dem Titel „Kriegsfibel“ veröffentlicht wird. Ausgehend von einer Recherche zur „Kriegsfibel“ haben sich Studierende des BA Regie (HfMDK) und MA Dramaturgie (Goethe Universität) auf eigene Weise szenisch mit Bildern des Krieges auseinandergesetzt. Entstanden sind vier Arbeiten, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln verschiedenen Kontexten widmen. Dabei wird die Verschmelzung von privatem Alltag und politischer Katastrophe betrachtet und nach Strategien der Solidarität und Sprachfindung gesucht. Konstrukte wie Zuhause, Identität und Erinnerung werden reflektiert und die Implikationen für unsere Freund:innenschaften beleuchtet. Es werden Versuche unternommen, der Stigmatisierung von Gewalterfahrungen entgegenzuwirken. Mediale Darstellungen werden diskutiert und immer wieder tauchen Fragen nach Verständigung, Annäherung und Handlungsmacht auf. Beschäftigt wird sich vor allem mit den Kriegen und der Gewaltgeschichte in der Ukraine/Russland und im Gebiet Israel/Palästina. Dabei werden sexualisierte Gewalt und psychische Folgen von Gewalterfahrung thematisiert.
Freitag, 06. März
20.30 Uhr: Can you protect my light from the wind?
Tristan Steeg & Yevheniia Vidishcheva
i. A. Künstler*innengespräch
22.30 Uhr: Silence of System/s
Csenge Katica Kiraly
i. A. Künstler*innengespräch
Samstag, 07. März
19.00 Uhr: Aber sonst alles gut soweit
Aurélie Feucht & Joris Domogalski
i. A. Künstler*innengespräch
20.30 Uhr: Achte auf deine Haltung [Ne сутулься]
Julia Chaplygina & Eva Stallbaum
i. A. Künstler*innengespräch
Sonntag, 08. März
13.30 Uhr: Aber sonst alles gut soweit
Aurélie Feucht & Joris Domogalski
15.00 Uhr: Achte auf deine Haltung [Ne сутулься]
Julia Chaplygina & Eva Stallbaum
i. A. Künstler*innengespräch und Pause
17.00 Uhr: Can you protect my light from the wind?
Tristan Steeg & Yevheniia Vidishcheva
19:00 Uhr: Silence of System/s
Csenge Katica Kiraly
i. A. gemeinsames Künstler*innengespräch
Can you protect my light from the wind?
“Can you protect my light from the wind?” ist die Geschichte einer Freundschaft; eine Geschichte von gegenseitiger Solidarität und Fürsorge über eine Grenze hinweg, die der Krieg durch Europa zieht. Der Regisseur und Schauspieler Tristan Steeg und die Regisseurin und Dokumentartheaterkünstlerin Yevheniia Vidishcheva aus Kyiv haben sich auf die Suche begeben. In ihrer künstlerischen Recherchearbeit erkunden sie die Diskrepanz ihrer Lebenswelten. Sie besuchen sich in ihren Heimaten und lernen ihre Familien kennen. Вони відвідують рідні міста одне одного, знайомляться з родинами та друзями. Sie sprechen über Trauer. Über Angst. Über Wut. Über den Krieg. Über Schönheit. Про страх. Про гнів. Про війну. Про красу. Über Sicherheit und Geborgenheit. Über Identität. Und wie man füreinander da sein kann. Was ein Zuhause ist. Що таке дім. Und was ist, wenn es angegriffen wird. Sie übersetzen füreinander und teilen ihre Geschichten und Schmerzen als Versuch einer Antwort auf eine gewaltvolle Welt der Multikrisen. Намагаючись захистити одне одного.
Von und mit: Yevheniia Vidishcheva und Tristan Steeg
Outside Eye: Eva Stallbaum
Content notes: Es werden Krieg und dessen psychische folgen thematisiert.
Gefördert vom Goethe Institut.
Silence of System/s
Wie lernt man zu trauern, wenn dafür nie ein Raum vorgesehen war?
Was bleibt von weiblichen Bildern, die zwischen Stärke, Anpassung und Schweigen entstanden sind?
Und wie kann man Trauer begegnen, ohne sie erklären oder auflösen zu müssen?
In Auseinandersetzung mit theoretischen und künstlerischen Positionen, unter anderem von Bertolt Brecht und Susan Sontag, fragt “Silence of system/s” danach, wie Leid gezeigt, betrachtet oder übergangen wird – und welche Verantwortung sich daraus für Betrachter*innen ergibt. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Gewalt in Osteuropa richtet sich der Blick nicht auf abstrakte Machtverhältnisse, sondern auf ihre leisen Wirkungen auf die Selbstsicherheit von Frauen. Dabei werden post-sowjetische feministische Geschichten sowie Werke der Künstlerinnen der 1970er in den ehemaligen Ostblock präsentiert. Die Installation lädt dazu ein, Trauer als soziale und politische Praxis zu begreifen, die sich zwischen persönlichen und kollektiven Erfahrungen entfaltet.
Konzept und Umsetzung: Csenge Katica Kiraly
Outside Eye: Lin Yang
Aber sonst alles gut soweit
Amira und Aurélie sind seit über 10 Jahren befreundet. Die eine Person ist palästinensisch-deutsch, die andere ist jüdisch, beide leben in Deutschland – das Geschehen in Israel und Palästina spielt schon immer eine Rolle in ihrer Freund:innenschaft. Seit Oktober 2023 spüren sie eine Veränderung in sich, in Deutschland und im öffentlichen Diskurs. Auch die Gespräche miteinander sind dringlicher geworden.
In der Performance Aber sonst alles “gut” soweit (AT) übergeben Amira und Aurélie das “Material ihrer Freund:innenschaft” drei Performerinnen. Diese wollen das Material zugänglich machen, indem sie es aus dritter Perspektive untersuchen, nachzeichnen und diskutieren.
Content notes: Themen von Gewalt, Depression, und Angstzuständen, Krieg und Terror
Konzept: Amira Al-Dari, Joris Domogalski, Aurélie Feucht
Performance: Lilith Borchert, Hannah Lindner, Dascha Dumont
Regie und Ausstattung: Aurélie Feucht
Dramaturgie: Joris Domogalski
Künstlerische Mitarbeit: Amira Al-Dari, Gil Hoz-Klemme
Outside Eye: Azadeh Ganjeh
Betreuung: Monika Gysel, Friederike Thielmann
Achte auf deine Haltung [Ne сутулься]
Mit „Ne сутулься“ (wörtlich: „nicht krumm“) korrigierte der Schauspiellehrer in Moskau die Haltung von Julia und ihren Kommiliton*innen. Als Soziale Medien gesperrt werden, wird diese Mahnung zum Namen ihres Telegram-Kanals, auf dem Julia ihren Alltag als Studentin in Moskau und später aus dem Exil in Deutschland dokumentiert.
Dieser Kanal wird zum roten Faden einer Media-Art-Performance, die sich mit einem Leben in ständiger Konfrontation mit Krieg, staatlichem Regime und Propaganda auseinandersetzt. Dabei verknüpft die Performerin Julia persönliches Material mit medialen Bildern des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Live navigiert sie durch Moskauer Straßen, Telegram-Posts, staatliche Nachrichten und private Aufnahmen. Was bedeutet es, wenn privater Alltag und politische Katastrophe untrennbar werden, und wie ist ein Weiterleben möglich? Inmitten medialer Widersprüche, Überlagerungen und Übersetzungen findet sich Julia zwischen wachsender Überforderung und Widerstand.
Content Note: Es werden Lautstärke und intensive visuelle Reize eingesetzt. Thematisiert und teilweise dargestellt werden physische und psychische Gewalt, nationalistische Sprache sowie Krieg und Trauma.
Regie, Performance: Julia Chaplygina
Dramaturgie: Eva Stallbaum
Credits
Von und mit: Lilith Borchert, Julia Chaplygina, Joris Domogalski, Dascha Dumont, Aurélie Feucht, Kati Kiraly, Hündin Luna, Hannah Lindner, Eva Stallbaum, Tristan Steeg, Yevheniia Vidishcheva und Kompliz*innen
Betreuung: Monika Gysel, Friederike Thielmann
Produktionsleitung: Jonas Weber
Kooperationspartner*innen: